Grazer Keplerspatzen

Kommende Auftritte und Konzerte

Sonntag, 8. Februar 2026
18.00 Uhr
Turnsaal Keplergymnasium, Graz

Heiteres & Weiteres

Rechtzeitig vor dem Höhepunkt der diesjährigen Faschingszeit gestalten die Grazer Keplerspatzen einen ganz besonderen Liederabend. In dieser Zeit, in der die gewohnte Ordnung spielerisch auf den Kopf gestellt wird, tritt der Ernst etwas in den Hintergrund, um dem Heiteren (und dem Weiteren) Platz zu machen. Da sind Späße und Verkleidungen nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht: Und das nehmen die Spatzen mit Freude beim Wort! Der Chor schlüpft in zahlreiche musikalische Kostüme. Zu Beginn gleich gibt er sich als Renaissance-Ensemble, das in einem lautmalerischen Madrigal einen kleinen Plagegeist („Der Floh“) besingt, welcher „kitzelt und bitzelt, krabbelt und zappelt". Sodann verkleidet er sich als Mozart und seine exzentrischen Freunde und lässt in „Caro mio Druck und Schluck" Wienerisch und Italienisch ohne Hemmungen aufeinanderprallen. Als Symphonieorchester entführen die Spatzen die Zuschauer auf eine wilde Fahrt in Johann Strauß‘ Schnellpolka „Vergnügungszug“ und das in einer brandneuen textlichen Bearbeitung in der die Koralmbahn schon geöffnet hat. Im weiteren Verlauf verwandelt sich der Chor aber auch noch in schwedische Reigentänzer („Zum Tanze da geht ein Mädel“), steirische Gstanzlsänger („Alleweil kann man net lustig sein“), einen sowjetischen Kinderchor („Veselá Fuga“) und viele andere mehr. Doch an diesem Abend legt der Chor auch zweimal seinen Masken ab und gewährt Einblicke hinter die Kulissen, die es sonst nicht gibt. In „Die Chorprobe" werden die Intonations- und Tempoübungen selbst präsentiert, samt den zuweilen damit verbundenen Seufzern der Sänger („Wir sind nicht Sklaven, nur ein Chor!"). Und in „Die Stimmen“ geraten Bass, Tenor, Alt, Sopran und Bariton aneinander bis sie schließlich doch einsehen müssen: „Zusammen sind wir ein Chor, und der geht wirklich ins Ohr!" Übrigens wurde das Stück von einem langjährigen Chormitglied eigens für dieses Konzert komponiert – dessen Stimmlage verraten wir an dieser Stelle aber nicht. Apropos Rätsel: Der Floh, der das Konzert eröffnete, kehrt im Laufe des Abends noch einmal zurück. Aber wo? Aufmerksame Zuhörerinnen und Zuhörer werden ihn finden und dürfen ihn behalten. Viel Vergnügen!
Klavier: Aleksey Vylegzhanin
Leitung: Ulrich Höhs

Einige Konzerte der vergangenen Jahre

21. Dezember 2025 - Stiftsbasilika Rein

Weihnachtskonzert - Der Stern zu Bethlehem

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Leitung: Ulrich Höhs
Orgel: Aleksey Vylegzhanin

24. Oktober 2025 - Turnsaal Keplergymnasium, Graz

The Armed Man: A Mass for Peace

Was in Europa über Jahrzehnte als selbstverständlich galt – jene lange Friedenszeit seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, die uns mit der stillen Gewissheit erfüllte, dass kriegerische Konflikte auf unserem Kontinent der Vergangenheit angehören –, ist in den letzten Jahren auf dem Hintergrund von geopolitischen Neuordnungen wieder problematisch geworden. Kriege, die wir nur aus fernen Weltregionen kannten, finden plötzlich in unmittelbarer Nachbarschaft statt. Mit ihnen ist etwas von jenem Sicherheitsgefühl abhandengekommen, das uns zuweilen (vielleicht allzu leichtfertig) begleitete. Gerade in solchen Zeiten der Unsicherheit und Sorge rückt die Frage nach dem was Frieden eigentlich ausmacht in den Fokus. Es dämmert, dass er wohl nicht bloß Geschenk ist, das uns zufällt, sondern mühsame Errungenschaft, welche aktives Engagement, Mut und – wie es in einem der an diesem Abend erklingenden Werke heißt – geradezu „ein Herz aus Eisen" (a heart of iron) erfordert.
Das Programm spannt einen weiten Bogen von der eindringlichen Monumentalität von Karl Jenkins' The Armed Man, einem Werk, das die liturgische Tradition der Friedensmesse mit erschütternden Kriegsbildern konfrontiert, bis hin zu den meditativen Klängen Jake Runestads, dessen Peace Flows Into Me (nach einem Text der amerikanischen Dichterin Sara Teasdale) den Frieden als inneren Prozess begreift, der sich sanft, aber unaufhaltsam Bahn bricht. Dan Forrests Shalom erkundet die vielschichtige Bedeutung dieses hebräischen Wortes, das zugleich Friede, Ganzheit und Wohlergehen meint. Kim André Arnesens What Is Peace? (aus dem Zyklus Tuvayhun) stellt sodann die provokante These auf: „Peace is fire! Peace requires a strength of will". Friede sei also keineswegs passiv, sondern verlange Entschlossenheit und Mut. Den Abschluss bildet das traditionelle Spiritual I've Got Peace Like a River in der Bearbeitung von Tim Osiek, welches die unerschütterliche Zuversicht besingt, die keine äußeren Umstände zu erschüttern vermögen.

The Armed Man - A Mass For Peace ist das Ergebnis eines besonderen Auftrags zur Jahrtausendwende, ausgesprochen von den englischen ,,Royal Armouries“. Zugleich ist es die jüngste in einer sechs Jahrhunderte währenden Tradition von ,,Armed Man“-Messvertonungen, die das französische Lied ,,L‘homme armée“ aus dem 15. Jahrhundert zum Ausgangspunkt nehmen. Unter dem Eindruck des Kosovo-Konflikts (und deshalb seinen Opfern gewidmet) entstand ein außerordentlich bewegendes und doch leicht zugängliches Werk, das bewusst traditionelle Mittel verwendet, um ein höchst gegenwärtiges Sujet zu beleuchten. In der Musik spiegeln sich die Epochen der kriegerischen Vergangenheit Europas. Mittelalterliche Gregorianik taucht ebenso auf wie die Vokalpolyphonie der Renaissance, Fanfaren, Marschmusik oder Folklore-Einflüsse. Das Nebeneinander von alten und neuen Musikstilen sorgt für effektvolle Kontraste. Ekstatische Ausbrüche, mitreißende Rhythmen und beklemmende Passagen der Stille prägen die hohe emotionale Wirkung der Friedensmesse. Ähnlich wie Britten in seinem ,,War Requiem“, interpoliert ,,The Armed Man“ eine Reihe verschiedener Texte zwischen die Messsätze. Die Verse der Dichter Malory, Dryden, Swift, Tennyson, Kipling und der altindischen Mahäbharäta tragen zur ergreifenden Darstellung des Hineingeratens in den Krieg und seiner schrecklichen Folgen bei. Nach der Uraufführung in der Londoner Royal Albert Hall wurde die Friedensmesse in England rasch zu einem der am meisten aufgeführten zeitgenössischen geistlichen Werke.
Grazer Keplerspazten

Sopran - Friederike Kühl
Altus - Friedolin Obersteiner
Tenor - Bernd Lambauer
Bass - Julian Kumpusch

Orgel: Aleksei Vylegzhanin
Klavier: Mariia Ludenko

Grazer Instrumentalisten

Leitung: Ulrich Höhs

4. Oktober 2025 - Helmut-List-Halle, Graz

Concert talk - Junge Stimmen

In einer Kooperation mit dem ORF musikprotokoll im steirischen herbst bot "Junge Stimmen" ein partizipatives Konzerterlebnis für alle Beteiligten. In einem intensiven künstlerischen Prozess mit CANTANDO ADMONT und den Grazer Keplerspatzen entstand ein Dialog zwischen Alter und Neuer Musik. Seite an Seite mit Profis wurde Resonanz im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinn erfahrbar - ein sinnliches Eintauchen in Mehrstimmigkeit, Sprachklang und Schwarmintelligenz - mit einem eigens dafür geschaffenen Werk von Annette Schmucki (*1968) und der selten aufgeführten 24-stimmigen, mehrchörigen Messe von Annibale Padovano (1527–1575), einem der bedeutendsten Komponisten der Grazer Hofmusikkapelle. 
Die Schönheit Alter und Neuer Vokalmusik – eindrucksvoll und gemeinsam zum Klingen gebracht.   

Programm: 
Annibale Padovano (1527–1575): Missa à 24 
Gespräch mit der Komponistin Annette Schmucki und einigen Sänger:innen der Keplerspatzen 
Annette Schmucki (*1968): landschaft und bedingung für Jugendchor, Vokalensemble und Publikumsaktionen ad lib, Uraufführung 
Cantando Admont 
Grazer Keplerspatzen 
Ulrich Höhs, Einstudierung der Keplerspatzen 
Cordula Bürgi, musikalische Leiung

20. Mai 2025 - Turnsaal Keplergymnasium, Graz

Sing!

Das Singen, das Thema dieses Chorkonzerts der Grazer Keplerspatzen, entspringt, wie das Sprechen auch, dem Zusammenspiel von Lunge, Zwerchfell, Kehlkopf und Stimmlippen mit den Resonanzräumen im Kopf und gehört zu den komplexesten menschlichen Bewegungsabfolgen überhaupt. Das Sprechen dient der Kommunikation. Aber, warum singen wir eigentlich? Aus evolutionärer Perspektive wird vermutet, dass das Singen von jeher etwas mit der Stärkung des Gruppenverbandes und der Pflege des Gemeinschaftsgefühls zu tun hat. Denken wir an das Singen beim gemeinsamen Arbeiten, das dabei hilft aufeinander abgestimmt zu sein; oder an das gemeinsame Singen abends am Lagerfeuer, das die Raubtiere fernhalten soll. Aber wie verhält es sich mit dem berühmten Singen unter der Dusche? Diese Frage beantworteten die Keplerspatzen vielleicht nicht abschließend , aber vielleicht konnten sie zumindest etwas Material für dieses liebste Hobby vieler Menschen bereitstellen: Nach einem feierlichen Einstieg mit Georg Friedrich Händels „Sing for Joy“ aus dem Oratorium „Judas Maccabaeus“ erinnerte Thomas Arne, ein englischer Komponist des 18. Jahrhunderts, daran, dass eigentlich jeder Tag zum Singen geeignet sei („Which is the properest day to sing?“). Weitere musikalische Stationen waren das „Frisch gesungen“ von Friedrich Silcher, dem deutschen Liedkomponisten des 19. Jahrhunderts, sowie der „Kaiserwalzer“ von Johann Strauss in der Textfassung des Chormitglieds Daniel Horiatakis, der diesen zum „Spatzenwalzer“ umgedichtet hatte, in welchem das Leben als Keplerspatz in all seinen Facetten besungen wurde. Auch Volksweisen, die sich mit dem Singen auseinandersetzen, durften im Programm natürlich nicht fehlen („Wo man singt“, „Sing a Liadl mit mir!“, „Singan und Soatn schlagn“) und ebenso wenig Betrachtungen, die mit einem Augenzwinkern versehen sind, so etwa „Heut singt der Salamanderchor“ in den witzigen Worten von Robert Gernhardt und der Vertonung von Ingo Bredenbach. Mit einer ironischen Note war auch der Welthit „I Sing, You Sing“ des schwedischen Vokalensembles „The Real Group“ versehen: Hier werden Melodien besungen, die sich zuweilen zu lästigen Ohrwürmern entwickeln. Es folgten weitere zeitgenössische Meisterwerke der englischen und insbesondere US-amerikanischen Kompositionskunst, die mit ihren zugleich eingängigen und erfrischenden Melodien zum Träumen einluden. Besonders hervorgehoben sei das Werk „Sing Gently“ von Eric Whitacre, nicht nur wegen seiner schlichten Schönheit, sondern auch weil seine Geschichte die verbindende Kraft des Singens in unserer digitalisierten Gesellschaft auf eindrucksvolle Weise demonstriert. Der Komponist hatte das Lied 2020 während des ersten Corona Lockdowns geschaffen und in ihm seine Eindrücke verarbeitet. Bereits im Sommer desselben Jahres wurde das Stück im Internet von fast 20000 Sängerinnen und Sängern aus über 100 Ländern gesungen und in einem Zusammenschnitt präsentiert. Damit gehört es zu den eindrucksvollen Zeugnissen menschlichen Zusammenhalts in dieser schwierigen Zeit der Distanz. Dass dieser Zusammenhalt besonders durch das Singen möglich ist, gehört zu den Grunderfahrungen jeder Chorsängerin und jedes Chorsängers. Deshalb wollten die Grazer Keplerspatzen das eine oder andere Lied davon singen.
Grazer Keplerspatzen 

Klavier: Alekesey Vylegzhanin 

Leitung: Ulrich Höhs

6. April 2025 - Großer Kammersaal, Graz

Carl Orff: Carmina burana

Jake Runestad: Ritual 
Ryan Main: Legatum 

Die "Carmina burana" hat seit der Uraufführung 1937 durchschlagende Erfolge verbucht und erfreut sich ungebremster Popularität beim Publikum. Das Werk fasziniert durch seine mitreißenden, archaischen Rhythmen und seine mittelalterlichen Texte, wodurch sich die Zuhörer in eine ferne Vergangenheit versetzt fühlen, die geprägt war von Aberglauben und Endzeitstimmung, aber auch freudiger Lebensbejahung und derber Komik. Das Treiben der Menschen ist dabei fest in das Rad des Schicksals eingespannt, welches sich unerbittlich dreht und so über Wohl und Weh, Glück und Unglück der Menschen entscheidet. Ob König oder Lebemann, alle erwarten ihren Urteilsspruch durch Fortuna, der Göttin des Schicksals, und so gilt es, sie milde zu stimmen, bevor Tanz und Reigen beginnen. Die Anrufung der Göttin umspannt das eigentliche Treiben, welches aus Tänzen und Liedern, Trinkgelagen und Festen, sowie der Huldigung von Schönheit und Liebe besteht. Die Grazer Keplerspatzen werden das Werk in einer spannungsgeladenen Fassung für zwei Klaviere, Blechbläser, Flöten und umfangreiches Schlagwerk aufführen, wodurch dem Gesang noch mehr Gewicht als in der Orchesterfassung verliehen wird. 

Ergänzt wurde das Programm von zwei 2023 entstandenen, sich in das Klangbild sehr gut einfügenden Neukompositionen: Einmal dem rasanten "Legatum" (dt. Vermächtnis) des amerikanischen Komponisten Ryan Main (*1984) mit modernem lateinischen Text, synkopierten Rhythmen und faszinierenden Harmonien begleitet von Klavier und Schlagwerk. Die im Text aufgeworfenen Fragen sind nicht nur ein abstraktes Konzept, sondern berühren Grundlegendes, das in unserem täglichen Leben Relevanz und Dringlichkeit haben kann. 

Und: "Ritual", einer rhythmisch treibenden Erzählung von Jake Runestad (*1986), die eine künstlich geschaffene Sprache für farbenfrohe klangliche Effekte verwendet. Der Titel spielt auf gesellschaftliche Rituale an, die nur um der Tradition willen fortbestehen, aber eigentlich ein tieferes Nachdenken und Überdenken erfordern würden. Schlagwerk und der Chor wüten mit düsterer Intensität, während eine einsame Solistin eine weichere, nachdenklichere Perspektive bietet. Trotz des Versuchs der Solostimme eine Veränderung herbeizuführen, wird diese zarte Stimme letztlich von der Macht der Tradition überrollt, und der Chor - mit erdigem, schroffen Klang mitunter am Rande des Brüllens - sowie die Trommeln übertönen jede alternative Perspektive.
Grazer Keplerspatzen 
SoundINNbrass 
Schlagwerkensemble Konservatorium Graz 
Klaviere: Aleksey Vylegzhanin, Levon Avagyan 

Philipp Schöllhorn - Bariton 
Tetiana Miyus - Sopran 
Jakob Nistler - Tenor 

Leitung: Ulrich Höhs.